„Warte, bis du eigene hast!“

Wenn ich für jedes Mal, wenn ich diesen Satz zu hören bekomme, einen Euro bekäme, könnte ich mir sicher inzwischen ein Traumhaus am Strand leisten. Naja, oder zumindest einen Holzschuppen in Horumersiel.

Es geht natürlich um Kinder.

Diese niedlichen, zuckersüßen kleinen Mini-Menschen, die stets mit dreckigen Fingern, verschmierten Mündern und bescheuerten Fragen in Petto parat stehen, um dir mit schrillem Geschrei bei bis zu über 100 Dezibel auf den Nerv zu gehen. Zumindest geht es mir so, ich kann mit Kindern einfach nichts anfangen. Ich mag sie nicht, weder eigene, erst recht keine fremden, ich möchte sie nicht um mich haben und ich meide Orte mit erhöhtem Kinderaufkommen. Scheinbar ist diese Sicht der Dinge aber völlig inakzeptabel, denn sonst würden nicht regelmäßig Menschen anfangen, mit mir darüber zu diskutieren.

Losgetreten wurde die Diskussion auf twitter, das wohl ungeeignetste Medium, um sachliche Unterhaltungen zu führen und fundierte Argumente und Begründungen hervorzubringen, denn wie will man sich mit 140 Zeichen ordentlich ausdrücken? Aber wir lernen’s ja auch nicht.

The Barn in Berlin sorgte 2012 schon für Aufsehen, als sie einen „Anti-Kinderwagen-Poller“ vorm Eingang aufstellten. Nun ziehen sie offenbar nach und haben auch ein Still-Verbot erteilt, allerdings finde ich dazu keine seriöse Quelle wie inzwischen auch SZ berichtet.

Nachtrag: „Spanke jedoch findet: Eine Mutter sollte nicht sechs Monate ans Haus gefesselt sein, wenn sie sich entscheidet, ihrem Baby die Brust zu geben.“ 
Was ein Glück findet das Leben einer jeden Mutter ausschließlich an zwei Orten statt. Zuhause und im The Barn.

Die Begründung, dass es einen „gehobenen Laden“ handelt, finde ich zwar etwas daneben, aber die Entscheidung „No Kids“ muss man in meinen Augen respektieren. Dazu gibt es nun mal das Hausrecht und ich verstehe nicht, weshalb aufgebrachte Muttis (und Papis) nun mit Petitionen wedeln, statt einfach ein anderes Café zu besuchen.

Wenn ein Wirt eine Raucherkneipe eröffnet, geht kein Nichtraucher rein und meckert über den Qualm.
Wenn ein Wirt eine Jazz-Bar eröffnet, geht kein Metalfan hin und beschwert sich über die jaulige Musik.
Wenn ein Wirt ein „Erwachsene-only“-Café eröffnet, gehen Muttis aber offensichtlich sehr wohl hin und schreien „Diskriminierung!“.

Es gab da ein schönes Interview mit einem Düsseldorfer Wirt, der einen Bereich seines Biergartens für Kinder (und Hunde) abgesperrt hat. Die Begründung ist absolut nachvollziehbar und plausibel und ich frage mich wirklich, was sich manche Eltern dabei denken, wenn ihre Kinder ungebremst den ganzen Laden auf links drehen. Scheinbar nicht viel.
Ich habe es schon live erlebt, was es heißt, wenn der Nachbartisch fünf Kinder dabei hat, die nach dem Pommes essen keine Lust mehr auf Rumsitzen haben. Es ist laut, überall rennen Kinder rum, es wird sich um Spielzeug geprügelt, es wird geschrien, da fliegt die Apfelsaftschorle vom Tisch und ich zolle dem Ladeninhaber bis heute noch höchsten Respekt, dass er keinen Wutanfall bekommen und die Bande rausgeschmissen hat. Denn die Eltern überhörten den Zirkus einfach, während die restlichen Leute hastig ihr Essen runterschlungen, um dort schnellstmöglich wieder zu verschwinden. Jeder Wirt, der ein kinderfreies Lokal betreiben möchte, hat mein absolutes Verständnis.

Ich ließ also auf twitter verlauten, dass ich die Leute nicht verstehen kann, die sich über ein „Kinderverbot“ echauffieren, man braucht ja nicht hingehen. Und ich erwähnte auch, dass es Leute wie mich gibt, die ein solches Verbot gut finden, denn da weiß ich, dass ich meine Ruhe hab.

Natürlich ging sofort die Diskussion darum los, dass ich das ja nur so sehe, solange es fremde Kinder sind. Wenn es eigene Kinder sind, dann sähe man das anders.
Tja nun, ich habe aber keine eigenen Kinder. Ich möchte an diesem Zustand auch nichts ändern.
„So dachte ich früher auch, aber als es dann da war, war es das beste, was mir je passiert ist!“

„Warte, bis du eigene hast! Dann sprechen wir noch mal!“

Himmelhergottnocheins. Bitte liebe Leute. Lernt – und lernt zu RESPEKTIEREN -, dass es Menschen gibt, die das nicht so sehen und dass manche Menschen durchaus ihr Glück / ihre Erfüllung in anderen Dingen finden, als in Nachwuchs aus eigener Produktion. Was ich dann immer so makaber finde, sind die Leute, die es nicht für voll nehmen, wenn ich sage, dass ich vierbeinige, fellige, nassschnäuzige Kinder habe. Natürlich sehe ich meine Tiere nicht als Kinder oder Kinderersatz an, ich habe sie aber deutlich lieber als Kinder bei mir. Ich spiele mit ihnen, erziehe sie, ich gebe ihnen zu essen, fahre mit ihnen zum Arzt, tröste sie wenn sie Angst haben, passe auf sie auf, weise sie auch mal in die Schranken und freue mich tierisch (höhö.), wenn der „Nachwuchs“ erfolgreich was gelernt hat und sich der Hund bei einem „Peng!“ theatralisch auf den Boden wirft und mit den Beinchen in der Luft wedelt. Sooo viel Unterschied zu einem Kind ist da gar nicht. Außer, dass dieser Nachwuchs deutlich schneller stubenrein ist, weniger Widerworte gibt, nicht rumschreit, sich nachts nicht aus dem Haus schleicht und sich deutlich mehr freut, wenn man nach nur fünf Minuten beim Kiosk wieder heimkommt.

Mir wurde in der Diskussion auf twitter darum gesagt, dass Kinder & Haustiere ja allein deshalb schon nicht das gleiche seien, weil ich mich für meinen Hund niemals vor ein Auto werfen würde. Für (m)ein Kind schon.
Eh, hallo? Natürlich würde ich mich für meinen Hund vors Auto werfen! Es ist meine verdammte (selbstauferlegte) Pflicht, mich um dieses eher wehrlose Geschöpf zu kümmern und es zu beschützen. Ob ich denn für mein Kind meinen Hund vors Auto werfen würde? Natürlich nicht, wtf??! Ob ich denn für meinen Freund den Hund vors Auto werfen würde?
… abgesehen davon, dass die Fragen immer abstruser werden, natürlich auch das nicht! Der ist nämlich schon groß, kennt die potentielle Gefahr, die von fahrenden Autos ausgeht und kann auf sich selbst aufpassen. Die tollpatschige Fellnase eher weniger. Kinder übrigens auch nicht. Und diesen gewaltsamen Hunde-Kinder-Vergleich hab ich immer noch nicht kapiert.

Versteht mich nicht falsch, jeder, der sich Kinder wünscht, der soll auch welche bekommen können, ohne Angst vor finanziellen Problemen oder sonstwas haben zu müssen. Ich bin für längere bezahlte Elternzeit und mehr Unterstützung von Familien durch den Staat, für mehr KiTa-Plätze und für flexiblere Arbeitszeitmodelle für Eltern. Ich gönne jedem sein Kinderglück, von mir aus auch gern mehrfach, das muss jeder ganz für sich entscheiden.

Aber genauso sollte sich doch jeder ganz für sich dagegen entscheiden dürfen, ohne direkt zugeschwallt zu werden, dass man das größte Glück der Welt verpasst. Verpasse ich nicht. Nein, wirklich nicht. Neihein. Nix aber. Hör auf. Danke!
Und nachdem wir nun geklärt haben, dass es Leute gibt, die sich, warum auch immer, gegen Kinder entscheiden, können wir nun auch akzeptieren, dass manche Menschen nicht nur keine eigenen, sondern generell keine Kinder um sich haben wollen, wobei das nicht zwangsweise zusammen auftritt. Manche Menschen lieben Kinder, wollen aber in Ruhe arbeiten können. Zum Beispiel ein Wirt, der den eher schniekeren Gästen eine entspannte und ruhige Atmosphäre zum Kaffee genießen anbieten will.

Wenn jemand sagt, er mag keine Hunde, geht niemand her und antwortet „Kauf dir einfach einen! Wart erstmal ab! Du wirst sehen, wenn es der eigene ist, ist es etwas ganz anderes!“.
Wenn jemand in seinem Lokal keine Hunde haben will, startet niemand eine Petition dagegen. Entweder lässt man den Hund zuhause, oder man geht halt woanders hin.

Immer wieder hörte ich das Argument, Anti-Kids sei diskriminierend, dann dürfe man mit der Argumentation auch Ausländer, Schwiegermütter, Dicke, Schwule, Schwarze und Wasweißichwas ausschließen. Zum einen geht es bei Kindern nicht um die Optik, sondern um das Verhalten. Abgesehen davon: Ja, darf man. Wie eine Bar beweist, die Flüchtlingen den Zutritt pauschal verweigert (auch wenn ich deren tweet echt eklig finde).
Kinderverbot sei halt „Ausdruck einer Gesellschaft, die keinen Bock auf Kinder hat„. Oder aber Ausdruck von Menschen, denen die antiautoritär-verweichlichten Special Snowflakes ohne Grenzen einfach aufn Zeiger gehen …?
Apropos – Hunde pauschal auszuschließen, ist auch diskriminierend! Denn mein Hund bellt nicht, beißt nicht und kackt auch nicht drin. Die legt sich untern Tisch und freut sich, dass sie dabei sein darf. So einen gequirlten Scheiß würd ich aber niemals laut von mir geben.

Resümee:
Wenn jemand in seinem Laden/ Leben XY nicht haben will, dann ist das halt so.
Handel. Damit.

Und als krönender Abschluss noch zwei Comics von Erzählmirnix, deren Einstellungen zum Leben ziemlich deckungsgleich zu den meinigen Sind.