Get into vegan!

Aller Anfang ist schwer.

So ging es mir zumindest. Ich habe lange, sehr lange, darüber nachgedacht, ob es nicht besser wäre, ganz auf Fleisch zu verzichten. Das meiste schmeckte mir eh nicht, weder Steak noch Gulasch, Innereien erst recht nicht. Außerdem – die Tiere und so, die tun einem ja schon leid, immerhin ist man ja riesiger Tierfreund. Massentierhaltung ist ja auch blöd, eigentlich soll man ja eh nicht so viel Fleisch essen, … aber was bestellt man dann im Restaurant? Für 10 € kriegt man entweder einen lieblosen Salat oder ein dickes Schnitzel mit Pommes.
Mit solch (eher fadenscheinigen) Argumenten, habe ich mich lange vom Fleischverzicht ferngehalten. Erst, als zwei enge Freunde von mir, auf den vegetarischen Zug aufsprangen und ich sah, wie einfach es bei ihnen funktioniert, beschloss ich, dass es für mich nun auch endlich an der Zeit ist. Fleischlos war erst ungewohnt, aber einfach. Und gut!

Fleischlos ist doch aber noch nicht vegan!

Richtig. Nach und nach stellte ich dann fest, dass nicht alles, was fleischlos ist, auch vegetarisch ist. Lab-haltiger Käse ist es nicht. Gummibärchen sind es nicht. Fruchtsäfte sind es oft nicht. Honig ist es auch nur so geradesohalbwegs. Also – noch mehr vom Ernährungsplan streichen. Innerlich seufzen – kann man überhaupt noch was essen?
Bis ich merkte, wollte!, dass da noch mehr geht, dass ich keine toten Kälber für Camembert, massakrierten Schweine für Wein, geschredderte Küken für Eier und überzüchtete Kühe mit wunden Eutern für Milch mehr hinnehmen will, dauerte es gerade mal ein halbes Jahr. Wobei ich mich vorher schon in die vegane (süße) Küche eingelesen habe, denn spontan backen? Gerne! Dummerweise hatten wir quasi nie Eier im Haus. Vegan backen war also schon mal drin, trotzdem war mir „komplett vegan“ erstmal zu extrem. Was essen die denn morgens überhaupt auf dem Brot?! Auch die Kommentare bspw. meiner Eltern „Kein Fleisch – na okay, aber Veganer, die spinnen doch!“ verunsicherten mich. Und als ich mich im Supermarkt mal vorsichtig nach Alternativen wie Sojamilch umsah, zogen mir die Preise die Schuhe aus!

Es muss nicht alles sofort passieren.

Als ich mich dann tiefer in die Materie einlas, fiel mir auf, was da alles mit dranhängt, wenn man vegan ernst meint. Und das tun scheinbar alle Veganer im Internet. Tierversuchsfreie Bio-Kosmetik, vegane Putzmittel, Verzicht auf Pelz (okay, das tue ich eh schon immer), keine Lederschuhe, keine Tierfelle als Bettvorleger, keine Krickerl an der Wand – scheiße. Ich bin aufgeschmissen. Alles was ich mag, ist nicht vegan und „verboten“.
Der endgültige Umstieg auf vegan passierte dann aber … einfach so. Von heute auf morgen. Abends noch käsegefüllte Pizzabrötchen gegessen, am nächsten Tag wollte ich sie nicht mehr essen – und schmiss sie weg.

Albern! Das habe ich bei anderen, schon im Regal stehenden, Lebensmitteln nicht mehr gemacht. Das Tier hat ja schon gelitten – das Ergebnis einfach wegzuwerfen erschien mir pietätlos. Also habe ich das Glas Honig aufgebraucht. Die Tütensuppe noch gegessen (wenn auch mit schalem Beigeschmack), die Chipstüte noch leergemacht. Auch meinen wahrscheinlich „absolut unethischen“ Haushaltsreiniger und Make-Up benutzt.
Weder habe ich meine echten Felle weggeworfen, noch das Krickerl von der Wand genommen oder alle Schuhe verbrannt. Ich kaufe nur einfach nichts mehr nach, was Tierleid enthält*.
Weder kann – noch muss ich – die Welt von heute auf morgen verbessern.

Aber dass ein Bewusstsein da ist, ist schon viel wert und ein größerer Beitrag zu nachhaltigem, leidfreiem Leben, als einfach gar nichts tun. Getreu dem Motto – ich kann eh nicht alle retten, also versuche ich es gar nicht. Da mein Bewusstsein nun eh schon geschärft ist und ich so oder so alle Etiketten lesen muss, verzichte ich auch komplett auf Palmöl. Glücklicherweise sind viele vegane Dinge palmölfrei – beim Einkauf darauf zu achten, macht den Kohl nun auch nicht mehr fett.

Vegan im Supermarkt

Ich bin ehrlich – aller Anfang ist immer noch schwer! Es folgten Wochen, in denen ich die dreifache Zeit im Supermarkt brauchte, um ausführlich jedes Etikett zu studieren. Ist da Eiweißpulver drin? Molkepulver? Honig? Und die traurige Wahrheit und schlechte Nachricht ist: in gefühlten 95% aller Lebensmittel aus dem Supermarkt steckt Tier. Und wenn es nur 1% Eiklar ist.
Die gute Nachricht: es betrifft eigentlich nur verarbeitete Lebensmittel. Dosensuppen, Fertiggerichte, Süßigkeiten, Knabbereien. Und Müsli!
Quasi sämtliche „gesunde“, zumindest Basis-Lebensmittel, sind vegan. Obst, Gemüse, Nüsse. Brot & Brötchen, Kakao, Kaffee. Kartoffeln, Reis, Nudeln, Linsen und auch eingelegte Ware in Dosen und Gläsern. Man muss sich zwangsläufig gesünder und vollwertiger ernähren und selbst den Kochlöffel schwingen, sofern man keine 5 € für eine Mini-Portion veganen Fertigfraß ausgeben will.
Da ich sehr gerne koche, war das soweit kein Problem.

Es folgte: Alternativen finden: wie kann ich meine liebsten Produkte ersetzen?
Milch: Inzwischen bin ich bei nur wenigen Ersatzprodukten hängengeblieben. Ich trinke und koche mit Smelk – einer Hafermilch der Firma Kölln. mit 2 € deutlich teurer als das Original für 45 ct, aber da muss man nur mal nachdenken – Subventionen ermöglichen diesen Dumpingpreis. 45 ct für Kuhmilch ist völlig realitätsfern und völlig „unterteuert“. Klar – ich könnte auch Hafermilch selbst zubereiten, aber die schmeckt mir nicht so gut und ein bisschen „Luxus“(Packung auf – Milch raus) möchte ich mir gönnen. Insgesamt spare ich deutlich an anderen Stellen.
Sahne: Soja-Cuisine (light) ist mein Sahne-Ersatz. Gebrauche ich eher selten, aber eine Rahmsauce kann man damit hervorragend kochen.
Butter: Ich brauche fettige Unterlage auf meinem Brot (und manchmal auch zum Kochen) – Margarine statt Butter. Für mich kein sooo großer Umstieg, da meine Mutter schon immer Margarine statt Butter aß – nun brauchte ich nur noch eine palmölfreie Variante (ich kaufe Sojola).
Käse: anfangs aß ich Scheibenkäse von Wilmersburger, aber da mich das Preis-Geschmacks-Verhältnis langfristig nicht wirklich überzeugt hat, verzichte ich inzwischen quasi komplett darauf. Ich habe auch mal Käse aus Cashews und Agar Agar selbst gekocht, aber das Ergebnis war. Naja okay halt. Aufwand nicht wirklich wert. Zum Überbacken nehme ich Wilmersburger Pizzaschmelz, gemischt mit etwas Soja-Cuisine, damit er gut verläuft. Es soll richtig tollen geben – Name leider entfallen – aber den gibt’s nicht im örtlichen Supermarkt und extra bestellen ist mir zu blöd. Oder ich mixe Mandelmus mit Milch und Hefeflocken. Oder alles zusammen. Teilweise wird der Käse, gerade auf Pizza, so gut, dass ich an der „Unechtheit“ zweifele.
Mayo: anfangs habe ich sie noch ganz einfach selbst zubereitet, inzwischen kaufe ich die vegane Salatcreme von Kühne. Einfach, weil ich ein scheiß-fauler Mensch bin und sie verhältnismäßig günstig und echt lecker ist!
Wurst: ich bin ehrlich – ich mag vegane Wurst. Die hat zwar geschmacklich nichts mit echter zu tun, das muss sie aber auch nicht. Sie schmeckt mir einfach sehr lecker. Dabei mag ich besonders die Lyoner und die Leberwurst von Veggy Friends. Ich hab‘ mir aber sagen lassen, dass vegetarische Wurst teilweise dem Original zum Verwechseln ähnlich schmeckt – probiert’s mal aus 🙂

Für alle Dinge, die man nur manchmal braucht, wie bspw. Joghurt oder Frischkäse, gibt es ganz gute Alternativen. Aber wenn man seine Küche, fließend, passend umarrangiert, braucht man auch kaum noch Ersatzprodukte.

Es gibt übrigens überraschend viele von Natur aus vegane Produkte, von denen man es kaum erwartet! Zum Beispiel Oreo Kekse (nicht palmölfrei), Manner Waffeln, Kartoffelsalat und Erdnussflips von ja!, Pizzateig aus dem Kühlregal, … Augen aufhalten lohnt sich!

Vegan in der Küche

Wer nicht von teuren Fertigprodukten oder nur Nudeln mit Tomatensauce leben will, wird um kochen nicht drumherum kommen. Ich blätterte mal in Attila Hildmanns „Vegan for fit“ und stellte fest: 80% der Zutaten hab ich nicht im Haus und allein das erste „Gericht“, ein einfacher Smoothie zum Frühstück, wäre beim Neukauf aller nötigen Produkte auf 20 € gekommen. Das muss nicht sein. Vegan ist nicht zwangsläufig teuer!
Deshalb habe ich mich irgendwann hingesetzt und meine eigene Rezeptsammlung angefangen. Einfache, meist günstige, aber leckere Gerichte, die ohne abenteuerliche Zutaten auskommen. Denn ich will keinen Eimer Flohsamenschalen für 10 € kaufen, wovon ich dann 2 TL fürs Gericht brauche, während der Rest im Regal versauert.
Aber: der eigene Vorrat an Lebensmitteln wird sich ändern. Das ist aber nichts Schlechtes! Auch hier war der Übergang langsam und fließend und so zogen Hefeflocken und Leinsamen als fester Bestandteil im Regal ein, während Schmand und Sahne wichen. Und: nicht alles, was man in tollen Gerichten findet, ist wirklich nötig.
Man muss – und sollte – experimentierfreudig werden, ausprobieren und vor allem testen, was einem selbst schmeckt. Ich bin ehrlich – die meisten vegenen Rezepte, die man so im Netz findet, sind aufregend klingende Exoten, die wenig Sattmacher-Potential haben. Bulgursalat mit Mango und Fenchelsamen – hallo? Ich will was Richtiges essen, z.B. einen fetten Kübel Gulasch! Zumal ich hier einen fleischessenden Mann im Haus hab – für Seitan-Schnitzel mit Pommes und Salat kann ich ihn geradeso begeistern, aber nicht für „Kaninchenfutter“.

Es gibt sicherlich auch mal Fehlkäufe. Gerade bei Ersatzprodukten war ich schon häufiger mal enttäuscht. Nicht verunsichern lassen – ihr habt auch sicherlich schon mal ein zähes Steak gekauft, einen semi-leckeren Fertigsalat oder Süßigkeiten, die ihre Kalorien nicht wert waren. Man muss seine Ernährung und Produkte eben neu austesten! Aber die Küche wird auch sehr bereichert. Durch verschiedene Öle, Nüsse, Samen oder sonstige pflanzliche kleine Wundermittel, die man vorher nie auf dem Schirm hatte. Mein schon erwähntes Beispiel: Hefeflocken. Wieso hab ich die nicht früher entdeckt?! Ich denke, auch für die omnivore Küche wären sie eine Bereicherung! ♥

Vegan außer Haus

Essen gehen mit Freunden, Cocktails trinken, lachen und den Abend genießen – das scheint für Nicht-Veganer unvorstellbar. Also – dass das auch als Veganer geht. Zumindest, wenn ich mit meiner Mama essen gehen will und sie vorher schon verzweifelt, ob’s da wohl was für mich gibt und vollständig die Krise kriegt, wenn die Karte nur typisch deutsche Hausmannskost offeriert.
Vegan geht überall. Man muss nur zur manchmal mutig genug zur offenen Kommunikation sein. Selbst euer Dönermann ums Eck schafft einen großen Salatteller, belegt mit allen Gemüse-Finessen des Hauses, dazu ein paar knusprige Pommes und einen Klecks Ketchup on top. Manchmal muss man nachdrücklich erklären, dass man wirklich keine Joghurtsauce möchte, aber bemüht sind die Herren (und Damen) eigentlich immer. In der Pizzeria? Lasst euch eine mit reichlich Gemüse belegte Pizza ohne Käse zaubern. Original-italienischer Pizzateig ist ohne Ei zubereitet. Im Zweifel: vorher nachfragen. Beim Spanier finden sich Tappas, die asiatische / indische Küche kommt eh ohne Milch aus und auch deutsche Wirtschaften können ohne viel Aufwand aus den Bratkartoffeln den Speck weglassen und euren großen gemischten Salat mit gegrilltem Gemüse aufpeppen. Pro-Tipp: es gibt fast immer Nudeln mit Tomatensauce für Kinder! Einfach das als ’ne große Portion ordern, voilà! Meistens sind Kellner sehr hilfsbereit und kreativ, wenn man sein „Ernährungsanliegen“ erklärt.

Bier ist, Reinheitsgebot sei Dank, vegan. Der Kleber, der auf Etiketten zum Einsatz kommt, ist es nicht immer, aber mit Bieren vom Fass geht man immer auf Nummer sicher. Klassische Longdrinks wie Wodka Lemon, Moscow Mule, Gin Tonic, etc. oder Cocktails wie Mojito / Caipirinha sind ebenfalls unbedenklich. Bei Weißweinen gilt: je billiger der Wein, desto eher vegan. Viele Billigabfüller verzichten zugunsten des Preises auf eine teure Klärung mit Gelatine.

Vegan überall sonst

Das ist ein Punkt, der sich bei mir erst im Laufe der Zeit eingestellt hat. Wie erwähnt – was mich lange von vegan abhielt, war die Angst, dass ich von jetzt auf gleich alles sofort super-vegan und super-richtig machen muss. Nein – Schritt für Schritt ist auch gut und wer sagt, vegane Ernährung reicht mir völlig, ist kein schlechter Mensch. Bei mir stellte sich neben dem Verzicht auf Palmöl auch noch der Wunsch ein, meinen Plastikkonsum zu reduzieren (man denke an die Meeresbewohner mit Plastikverpackungen im Magen und um den Hals) und ökologische Reinigungsmittel zu kaufen.
So verzichte ich bspw. auf diese dünnen Tütchen zum Obst & Gemüse einpacken (kann man auch lose in den Wagen legen oder Obstnetze verwenden), auf Plastiktüten für den Einkauf (falls ich mal meinen Einkaufskorb vergessen habe oder spontan einkaufen gehe), sondern verpacke in Papiertüten, nutze Müllbeutel aus, bis nichts mehr reinpasst, kaufe viele unverderbliche Produkte in den größtmöglichen Einheiten und setze auf Mehrweg, am besten Glas. Ich war in einer facebook-Gruppe zur Plastikreduktion, dort wurde ich aber schnell angegiftet, weil ich meine Wäsche lieber mit Öko-Waschmittel wasche, statt mit Efeu (?!) und so bin ich dort wieder ausgetreten. Ich  möchte meinen Weg finden. Wenn dieser beinhaltet, dass ich den Efeu lieber kompostiere, statt ihn zu waschen, dann ist das okay. Jemanden deshalb anzufeinden ist genauso blöd, wie jemanden, der sich für vegane Ernährung interessiert oder sie stückweit praktiziert, dafür anzugiften, dass er sich hin und wieder doch einen der leckeren Schokopuddings kauft. Oder Omnivoren dafür, dass sie bewusst Fleisch essen möchten. Jeder muss über sein Maß selbst entscheiden.

Wirklich vegane Reinigungsmittel kenne ich nur von Frosch oder Ecover (letztere verwende ich). Tierleidfrei, tierversuchsfrei und ökologisch nachhaltig. Sicher gibt es auch noch andere Hersteller, aber mit Ecover bin ich sehr zufrieden, also bleib‘ ich dabei. Bei Make-Up wird’s schon schwieriger – da ich selten welches verwende, bin ich da nicht so informiert. Da stehe ich immer noch am Punkt: ich habe nun mal Dinge da, die ich auch aufbrauche. Der Blog der lieben Erbse sollte hier aber weiterhelfen können. Bei Dekoration des eigenen Reiches und Kleidung habe ich festgestellt, dass es viele meiner „Lieblingsprodukte“ wie Tierfelle, Leder, Wildleder und Knochen, auch synthetisch zu haben sind. Das widerspricht zwar teilweise plastikfrei, aber ist ja keine Verpackung für zwei Tage, sondern liegt idealerweise einige Jahrzehnte hier herum. Und ich bin ehrlich – ganz kahl und karg leben möchte ich dann doch nicht. Zwar liebe ich auch raue Materialien wie Holz und Stein, aber als Teppich sind die gänzlich ungeeignet. 😉

Und, auch da bin ich ehrlich: nicht überall lässt sich fair-trade, bio, vegan, nachhaltig und hastenichgesehen überall einfach so umsetzen. Mein Handy kommt aus Südkorea, mein Notebook aus Taiwan und meine Klamotten teilweise aus Indien und Bangladesh. Man kann eben doch nicht alle auf einmal retten, aber eben im Kleinen seinen Teil beitragen. Das ist wichtig.

Vegan beim Haustier

Lasst es. Es sei denn, es ist ein Meerschweinchen oder Hase, die leben vegan hervorragend. Egal wie sehr man Katzen liebt, Katzen sind Karnivoren, Fleischesser, deren ganzer Körper, von den Reißzähnen bis über den kurzen Darm zur Fleischverwertung, ausgelegt sind. Ja, es gibt gesunde Gegenbeispiele, aber es ist wider deren Natur und man sollte seinen Schützlingen seine eigenen moralischen Wertevorstellungen nicht aufzwängen. Bloß, weil Katzen vielleicht nicht direkt sterben, wenn man sie mit Nudeln füttert, heißt das nicht, dass es gut für sie ist. Das Wohl des Tieres sollte dabei über eurem Gewissen stehen. Kauft Fleisch beim Bio-Bauern ums Eck, lasst euch Schlachtabfälle geben oder, regelmäßig entwurmt, ihren Kram selbst fangen. Hunde sind zwar Allesfresser, aber nicht jeder Hund kann vegetarische oder vegane Ernährung ab. Bei meinem Pelzpopo brauche ich das gar nicht erst versuchen – sie frisst so schon extrem wählerisch und Fleisch ist das einzige, was sie mag. Müsste sie fortan von Gemüse leben, würde sie sicher verhungern und ich hätte das Veterinäramt am Hals. Not cool. Update: inzwischen ist der Hund ein sehr viel besserer Esser und Verwerter geworden (juhu!) und sie bekommt VeggieDog grainfree als Hauptfutter. Das frisst sie super gerne und es bekommt ihr gut, was für mich das wichtigste ist. An Leckerlis gibt es aber weiterhin alles und an guten Tagen auch mal ein Stückchen Brie oder Wurst als Belohnung.

Vegan und die Gesundheit

Eines noch – vegan ist, „richtig“ angewendet, gesund. Punkt. Alleine dadurch, dass ihr kaum noch mit Zucker versetzte, industriell stark verarbeitete Lebensmittel futtert, tut ihr eurer Gesundheit etwas Gutes. Viel frisches Gemüse ist allemal besser, als dick Mettwurst aus dem Discounter. Ich unterziehe mich regelmäßigen Bluttests und ausnahmslos alle Werte sind deutlich verbessert, selbst Eisen, wo vorher ein Mangel herrschte, jetzt nicht mehr, und von dem es heißt, den kriege man als Veganer schnell.
Eines muss man jedoch beachten: Vitamin B12. Das von Mikroorganismen produzierte Vitamin findet sich auf vielen naturbelassenen Oberfläche, unsere Lebensmittelhygiene zerstört es aber in der Regel gänzlich. Tiere bekommen es ins Futter gemischt, weshalb Fleisch als B12-Lieferant gilt. Es lässt sich jedoch als Veggy sehr einfach substituieren, in Form von einer kleinen Tablette am Morgen, als stärkerdosierte Lutschtablette 1 x wöchentlich oder wie auch immer. B12 ist wichtig – nehmt das zusätzlich! Ein weiterer wichtiger Punkt sind Proteine: der Mensch braucht davon 0,8 g pro Kg Idealgewicht am Tag zum reinen Muskelerhalt. Kleines Beispiel: jmd, der 1,70 m groß ist und idealerweise 60 kg wiegt, braucht also 48 g Protein am Tag. Bei aktivem Muskelaufbau ca. das Doppelte. Aber: nicht nur Hähnchenbrust und Eigelb enthalten Proteine, auch viele Pflanzensorten. Beste Eiweißlieferanten sind bspw. Seitan (75 g / 100 g), textuiertes Soja (69 g / 100 g), sowie Hülsenfrüchte, Samen und einige Gemüsesorten. Es gibt auch Sojaeiweißisolat, das man nehmen kann, bei einer ausgewogenen Ernährung sollte das aber nicht unbedingt nötig sein.
Ansonsten wird vegane Ernährung bei vielen Krankheiten empfohlen, was mir das Gefühl gibt, dass sie auch präventiv nicht allzu verkehrt sein kann. Beispiele: Arthrose, Multiple Sklerose, Krebs.

Fazit

Vegan ist nicht so schwierig, wie es vielleicht manchmal aussieht. Am einfachsten ist immer noch: einfach mal ausprobieren! Von (geschmacklichen) Rückschlägen nicht einschüchtern lassen und immer bedenken: der Weg ist das Ziel. Der geschmackliche Horizont wird erweitert, die Gesundheit dankt es einem und die Tierwelt erst recht. 🙂
Wenn ich mit diesem „Guide“ auch nur einem Menschen eine heimliche Frage beantworten konnte oder jemanden zum Undenken angeregt habe, hat es sich schon rentiert. Ich freue mich über euer Feedback.

* Außer einem Paar Birkenstocks dieses Frühjahr. Ich liebe Birkenstocks und kenne keine so bequeme Alternative. Tja – irgendeinen Tod muss man immer sterben. Dem Puns.

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